Pädagogische Konzeption und Grundsätze von Falken-Jugendfahrten e.V.
Endlich Ferien! Eine Reise mit Gleichaltrigen ist die schönste Art, diese Zeit zu verbringen: Spaß, Abenteuer, Selbstbestimmung, Spiel, Kreativität, Romantik und neue Freunde in einer neuen Umgebung.
Ferienfreizeiten – egal ob im Haus/Zimmer, Zelt oder unterwegs wie bei einer Kanutour sind aber mehr als nur Orte der Erholung und des Zeitvertreibs. Sie bieten Raum für Lebenserfahrungen in einer neuen (und großen) Gemeinschaft, deren Werte sich von denen des Alltags unterscheiden: Gemeinschaftliches Denken und Handeln, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Toleranz sind die positiven Werte dieser Feriengesellschaft. Sozialer Ungleichheit, Konkurrenzdruck und Leistungszwang, der Ausgrenzung von Minderheiten und der Anwendung von Gewalt wird entgegengewirkt. Die Feriengemeinschaft ist ein Ort des experimentellen Zusammenlebens, in dem „andere Spielregeln“ ausprobiert und erfahrbar gemacht werden. Diese „Spielregeln“ werden durch die Grundsätze unserer pädagogischen Arbeit, unseren Erziehungszielen bestimmt. Sie berücksichtigen natürlich die gesetzlichen Normen sowie unsere Verantwortung, die wir als Partner der Kinder und Jugendlichen und gegenüber den Eltern übernommen haben.
Falken-Jugendfahrten veranstaltet Ferienmaßnahmen und Gedenkstättenfahrten für Klassen und Gruppen.
Das Kinderparlament und andere pädagogische Grundsätze
Grundlage für den inhaltlichen Ablauf und das Programm unserer Ferienreisen sowie für die Gestaltung des Zusammenlebens und die für alle TeilnehmerInnen verbindlichen Regeln sind unsere pädagogischen Grundsätze.
Wir erziehen zu demokratischen Idealen und ihrer Umsetzung in der Gesellschaft. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer soll die Möglichkeit erhalten, sich entsprechend seinen Vorstellungen, Interessen und Wünschen zu entfalten. Bei unseren Fahrten gibt es keine Privilegien oder Ausgrenzungen. Mädchen und Jungen, Kinder mit Migrationshintergrund oder solche ohne, kleine und große Kinder haben gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Wir wirken auch auf ein einheitliches Taschengeld für alle Kinder und Jugendlichen hin. Unterschiedliche soziale Herkünfte sollen nicht auch noch zu Privilegien oder Benachteiligungen während unserer gemeinsamen Fahrt führen.
Auf allen unseren Fahrten haben wir ein Kinderparlament eingeführt, dass die Selbstbestimmte Erziehung von Kindern und Jugendlichen fördern und unterstützen soll. Wir fördern eine Erziehung zur Mündigkeit. Vor Ort sieht dies so aus: Die Kinder wählen innerhalb ihrer Betreuergruppen (jeweils 8 Kinder bilden mit einer/m BetreuerIn eine Gruppe über den gesamten Zeitraum der Reise) alle zwei Tage eine/n MinisterIn. Diese/r MinisterIn ist dafür verantwortlich die Bedürfnisse, Wünsche und Kritik seiner Gruppe an der Ferienfahrt aufzuschreiben. In einem ebenfalls alle zwei Tage tagenden Ministerclub kommen die Minister aller Gruppen, mit einem ebenfalls gewählten Betreuer und einer Vertretung der Fahrtenleitung zusammen. Hier werden die Wünsche und Kritik der Gruppe vorgetragen. Gemeinsam wird über alles demokratisch abgestimmt. Die Kinder und Jugendlichen haben so die Chance aktiv an ihren Ferien zu partizipieren und diese im Ablauf von Programm und Regeln mitzubestimmen. Die Kinder und Jugendlichen lernen, dass nicht nur die eigenen wünsche Bedeutung haben, sondern diejenigen vom Rest der Gruppe genauso wichtig sind. Die emotionale Bindung innerhalb der Gruppe wird so gestärkt und positiv besetzt.
Einigen Wünschen kann aus vernünftigen oder gesetzlichen Gründen nicht zugestimmt werden, hierfür darf der FahrtenleiterIn sein/ihr Vetorecht einsetzen. Dies muss er erfahrungsgemäß allerdings nur sehr selten tun. Das Kinderparlament stellt eine für uns sehr bedeutende Komponente pädagogisch sinnvoller Ferienfreizeiten dar, denn die Kinder werden dazu angeregt Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Sie sollen an der Gestaltung ihrer Ferien aktiv teilnehmen und mitbestimmen können. So wird auch jeder Betreuer mit seiner Gruppe eine Aktivität mit vorbereiten, damit die Kinder und Jugendlichen selber einmal zu Planenden und Durchführenden werden. Jedes Kind und jeder Jugendlicher soll die Möglichkeit haben seine eigenen Kompetenzen wirkungsvoll einzusetzen und damit Selbstwirksamkeitserfahrungen nachhaltig machen zu können.Das Kinderparlament ist für die Kinder und Jugendlichen eine wichtige Erfahrung in der sie merken: Was kann ich, was kann ich nicht, wer bin ich und was will ich?
Dieses demokratische System lässt Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus auf unseren Fahrten keine Chance!!
Wir setzen der auf einseitigen Konsum orientierten Kultur des Fernsehens, der Videospiele, MP3-Playern und Handys eine Kultur der Kreativität, der Toleranz und des gemeinsamen Gestaltens gegenüber: Kreatives Gestalten, sportliche Aktivitäten auch mal anders erleben, Tanzen, Spielen, Lesen, Schreiben und tausend andere Dinge sind die Mittel dieser Kultur und daher aus unseren Ferienmaßnahmen nicht wegzudenken. Bei allen Aktivitäten versuchen wir den Kindern und Jugendlichen Neues zu bieten, ihre persönlichen Fähigkeiten mit ihnen zu entdecken und zu fördern.
Auf jeder Reise gibt es Arbeiten, die für das Zusammenleben notwendig sind, aber als unangenehm oder unbequem empfunden werden, z.B. Küchendienst, Aufräumen, Reinigung der Duschen und Toiletten etc. Die TeilnehmerInnen sollen diese Dienste an der Gemeinschaft als selbstverständlich erkennen. Besondere Dienste „für Jungen“ oder „für Mädchen" oder soziale Arbeiten „als Strafe" gibt es bei uns nicht.
Wir setzen auf die Gemeinschaftserziehung von Jungen und Mädchen (Koedukation). Rollenverhalten versuchen wir aktiv durch Vorbild, Gespräch, Anreiz und Anleitung zu rollenuntypischem, emanzipatorischem Verhalten entgegenzuwirken. Das heißt für uns auch, dass Jungen und Mädchen in gemischten Gruppen sind und gemeinsam ein Zelt oder Zimmer bewohnen. Auch unsere Gesellschaft steht der Koedukation nicht vorbehaltlos gegenüber. Wir versuchen deshalb, Eltern, Kinder und Jugendliche von den Vorteilen der Gemeinschaftserziehung zu überzeugen. Zwang oder Druck lehnen wir in dieser Frage ab. Wer nicht will, muss also auch nicht!
Massentourismus ist nicht Sinn und Zweck unserer Fahrten. Wir bemühen uns, Land, Leute, Kultur, Geschichte, Politik und Gesellschaft kennen zu lernen. Dabei suchen wir in fremden Ländern den Kontakt zu Gleichaltrigen bzw. zu Kinder- und Jugendorganisationen. Wir haben damit immer ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht. Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen wird auf vielfältige Weise auf unseren Fahrten thematisiert. Wir achten die Natur und vermitteln positive Ziele wie z.B. den sparsamen Umgang mit Energie, die Vermeidung von Müll oder die Wiederverwendung von Abfallstoffen (Recycling).
Fahrtenordnung
Das Zusammenleben während der Fahrt bestimmt sich nach Regeln, die sich aus den vorgenannten pädagogischen Grundsätzen ableiten (Fahrtenordnung). Unsere Regeln dienen dem friedlichen und konstruktiven Zusammenleben in der Feriengemeinschaft sowie dem Schutz und der Sicherheit der TeilnehmerInnen und sollen sicherstellen, dass niemand belästigt, behindert oder in seinen Freiheiten eingeschränkt wird. Die Fahrtenordnungen sind je nach Art der Reise, Aktivitäten sowie Teilnehmeralter und -struktur unterschiedlich. Sie gelten für alle TeilnehmerInnen gleichermaßen.
Die TeilnehmerInnen werden zu Beginn der Fahrt über Inhalt und Sinn der Fahrtenordnungen informiert.
Strafen stehen stets in direktem Zusammenhang mit der Übertretung von Regeln. Beliebte Bestrafungsmittel wie zusätzliche Dienste sind daher ausgeschlossen, ebenso jede Form körperlicher Züchtigung oder „militärischer Strafen“. Erzieherische Strafen bestehen deshalb in aller Regel aus der Einschränkung bestimmter Freiheiten.
Bei besonders schweren Verstößen gegen die Fahrtenordnung verhängt das Team Ordnungsstrafen, die aus einem Wechsel der Gruppengemeinschaft oder einem Ausschluss des Teilnehmers / der Teilnehmerin von der Ferienmaßnahme bestehen können.
Wir bekämpfen die Suchtgefahren, die von Nikotin und Alkohol ausgehen. Deshalb ist Alkoholkonsum und Rauchen allen unseren Teilnehmern unter 18 Jahren verboten.
Gruppenleiterqualifizierung
Falken-Jugendfahrten hat einen Stamm qualifizierter und besonders engagierter Betreuer und Fahrtenleiter, die seit mehreren Jahren unsere Ferienmaßnahmen betreuen. Ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei uns qualifiziert sie den Kindern und Jugendlichen auf unseren Fahrten einen unvergesslichen Urlaub zu bereiten. Viele unserer Betreuer sind im pädagogischen Bereich tätig. Bei der Auswahl unsere Betreuer greifen wir auch auf in der verbandlichen Kinder- und Jugendgruppenarbeit erfahrene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zurück. Ihre Praxisnähe und ihr Bezug zur Kinder- und Jugendarbeit wirken positiv in das gesamte Team und verbessern dadurch die Qualität unserer Ferienmaßnahmen.
Bei neuen Mitarbeitern erwarten wir, dass für die Bewerbung kein vornehmlich finanzielles Interesse, sondern vielmehr das Interesse an einer Tätigkeit im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ausschlaggebend ist. Für die Auswahl unserer Betreuer ist die Qualifikation entscheidend.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auf die auf sie zukommenden Aufgaben gut vorbereitet und speziell geschult.
Qualifizierungskonzept
Die BetreuerInnen machen sich mit den Grundlagen der Ferien- und Freizeitpädagogik und der pädagogischen Konzeption von Falken-Jugendfahrten vertraut. In der maßnahmenspezifischen Vorbereitung (mehrere Abendtermine) beraten sie mit der Fahrtenleitung die konkrete Umsetzung der inhaltlichen Schwerpunkte einer Ferienmaßnahme.
Unter Anleitung von Pädagogen werden unterschiedliche Formen zu erwartender pädagogischer Konfliktfälle durchgespielt. Dies geschieht für Erstfahrer in einer pädagogischen Einführung und für langjährige BetreuerInnen in pädagogischen Weiterbildungen, zu speziellen Themen.
Zu verschiedenen Themen finden Workshops statt, in denen die Gruppenleiter insbesondere Fertigkeiten für die Workshops im Feriencamp erlernen. Jeder Gruppenleiter muss an mindestens einem Workshop teilnehmen. Die Fahrtenleiter koordinieren, dass alle für die jeweilige Fahrt relevanten Workshops von den Mitgliedern des Teams besucht werden.
Zur Gruppenleiterqualifizierung gehört außerdem eine Rechtsbelehrung durch einen Rechtsanwalt. Die Gruppenleiter absolvieren ferner (alle zwei Jahre) einen umfassenden Erste-Hilfe-Lehrgang.
Jeder Betreuer muss ein Gesundheitszeugnis und ein Führungszeugnis vorweisen.